Pilotprojekt zum ersten Blended-Learning-Kurs erfolgreich abgeschlossen

Erstes Qualifizierungsangebot des ZMF für Fachkräfte in Kitas.

Das Pilotprojekt zum Blended-Learning-Einführungskurs “Medienbildung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern” des Zentrum für Medienkompetenz in der Frühpädagogik (ZMF) wurde von März bis Juni 2020 durchgeführt und umfasste die 2019 vorangegangene inhaltliche und didaktische Konzeption des Kurses, die Planung und Implementation einer prototypischen Lernplattform sowie die Evaluation des Lehr-Lern-Szenarios insgesamt. Der Kurs richtete sich an pädagogische Fach- und Ergänzungskräfte im frühpädagogischen Arbeitsfeld.

Der hier hinterlegte Abschlussbericht gibt detailliert Einblick:

Das große Interesse am Pilotkurs und die Tatsache, dass die Teilnehmenden den Kurs so engagiert und erfolgreich durchlaufen haben, verdeutlichen den hohen Bedarf am Thema Medienbildung in der Kita. Die gewonnenen Erkenntnisse der Evaluation des Pilotprojekts legen den Grundstein für eine Weiterentwicklung und Ausweitung des Angebotes von ZMF-Kursen.

Zielsetzung

Übergeordnetes didaktisches Ziel des Blended-Learning Kurses war es, die Lernenden zu befähigen, Medienbildung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern aktiv aufzugreifen und umzusetzen. Dazu wurde der Kurs als niederschwelliges Angebot konzipiert, der erste Basiskenntnisse und -fertigkeiten bezüglich Medienpädagogik und -kompetenz, aktiver Medienarbeit, Umgang mit (Medien)Technik, Datenschutz und rechtlichen Fragen vermittelt und bei dem die Teilnehmenden kontinuierlich, eng und individuell fachlich begleitet werden.

Darüber hinaus sollte die Evaluation des Kurses Erkenntnisse generieren, die für die Entwicklung weiterer zielgruppengerechter Qualifizierungsangebote des ZMF wegweisend sind. Sie sollte Antwort auf die wesentliche Frage geben, ob und inwiefern diese Form der Weiterbildung für die angedachte Zielgruppe geeignet ist – inhaltlich mit Blick auf das Erreichen der formulierten Lernziele, didaktisch mit Blick auf die Akzeptanz des Lernformats “Blended-Learning”, sowie technisch mit Blick auf die Usability des eingesetzten Lernmanagementsystems (LMS).

Im Fokus standen Fragen wie:

  • Wie können wir die Zielgruppe der Kita-Fachkräfte in ihrer Medienkompetenz stärken und sie befähigen, Digitalisierung sowie digitale Medien sowohl als Gegenstand von Bildung als auch als Werkzeug im Bildungsprozess zu nutzen?
  • Inwieweit eignet sich das didaktische Setting „Blended-Learning“ für die Zielgruppe?
  • Sind der entworfene Kursaufbau und das didaktische Konzept für die Zielgruppe passend?
  • Welche Voraussetzungen bzw. Rahmenbedingungen (Vorwissen, technische Ausstattung, Erwartungen, zeitlicher Rahmen etc.) können bei der Zielgruppe angenommen werden?
  • Inwiefern werden die verwendeten Tools und Geräte und die eigens für das Pilotprojekt entworfene prototypische Lernplattform den Anforderungen gerecht?

Zielgruppe

Um den frühpädagogischen Arbeitsbereich in seiner Vielfalt an Rahmenbedingungen und Voraussetzungen abzubilden, war es das Ziel, eine möglichst heterogene Teilnehmendengruppe bezüglich Träger, Ort, Art, Konzept und Größe der Einrichtung sowie Alter der Teilnehmenden für den Kurs zu gewinnen. Durch die personell und finanziell begrenzten Ressourcen des ZMF wurde das Pilotprojekt in Abstimmung mit dem StMAS in der Oberpfalz durchgeführt. Letztendlich haben 15 Personen aus unterschiedlichen Einrichtungen am Kurs teilgenommen.

Kurskonzeption

Bei der didaktischen Gesamtkonzeption des Pilotkurses des ZMF lagen unter anderem folgende Überlegungen zu Grunde:

  • Gewinnbringender Einsatz des Lehr-Lernformats Blended-Learning
  • Einbeziehung der (Lern-)Erfahrungen, Bedenken und institutionellen Rahmenbedingungen der Zielgruppe bezüglich Kursinhalten und Kursformat
  • Berücksichtigung von Lernzielorientierung, Handlungsorientierung und Transferorientierung

Unter Einbeziehung der didaktischen Anforderungen und nach einem intensiven Austausch mit Experten*innen, Kooperationspartner*innen und Stakeholdern wurden vier inhaltliche Themenbereiche definiert, die zu vier Kurs-Modulen aufbereitet wurden:

  1. Modul 1 – Sich mit Medien auseinandersetzen: Grundlagen von Medienpädagogik und -bildung, Reflexion der eigenen Haltung bezüglich Medienbildung in der Frühpädagogik, Argumente für Medienbildung in der Frühpädagogik, Medienbildung als Teamaufgabe
  2. Modul 2 – Medien ausprobieren: Einführung und Beratung bezüglich relevantem technischem Equipment sowie sinnvollen Programmen und Apps, Vermittlung von Grundfertigkeiten im Umgang mit technischem Equipment
  3. Modul 3 – Medienprojekte planen: Konkrete Anleitung und Unterstützung für erste Schritte in der Praxis, Projektideen und -gestaltung, Anleitung und Hinweise für die konkrete Umsetzung von Medienbildung und -projekten in der eigenen Einrichtung
  4. Modul 4 – Rechtlich auf der sicheren Seite sein: Grundwissen zu rechtlichen Fragen, die für die Durchführung von Medienprojekten in der eigenen Einrichtung relevant sind: Datenschutz, Datensicherheit, Urheber- und Medienrecht

Pro Modul wurde ein Workload von 10 Std. angesetzt, zuzüglich 5 Std. für die Realisierung eines eigenen Medienprojekts in der eigenen Einrichtung. Jedes Modul sollte ein gemeinsames Präsenzseminar vor Ort sowie Online-Aufgaben umfassen. Durch das Medienprojekt sollten die Teilnehmenden die erlernten Kenntnisse, Fertigkeiten und Methoden in ihrem Arbeitsalltag anwenden.

Aufgrund des unvorhersehbaren Auftretens des COVID-19-Virus mussten neben organisatorischen Änderungen auch kurzfristig Modifikationen am Kurskonzept vorgenommen werden. So wurden insbesondere die Präsenzanteile durch virtuelle Kurstage per Videokonferenz ersetzt und der Kurs konnte schließlich im geplanten Umfang abgeschlossen werden.

Zum Kursabschluss am 26.06.2020 präsentierten die Teilnehmenden erfolgreich ihre Medienprojekte und haben dabei beeindruckend gezeigt, wie sie das Gelernte reflektieren und praktisch anwenden können.

Lernplattform

Wesentliches Element des Blended-Learning-Kurses waren der Aufbau und Einsatz eines passenden Lernmanagementsystems, das unter anderem folgende Kriterien erfüllen sollte:

  • Möglichkeit zum orts- und zeitunabhängigen sowie kooperativen Lernen
  • Bereitstellung von adäquaten Kommunikationswegen für Lehrende und Lernende
  • Verfügbarkeit von Nutzendenverwaltung, Lernstandserhebungen und Datenerhebungen für die Evaluation

Gemeinsam mit einem externen Dienstleister wurde eine optisch für die Zielgruppe ansprechende Lernumgebung entwickelt, die den technischen Anforderungen standhält und mit der sich die didaktisch-methodischen Vorüberlegungen adäquat umsetzen ließen. Im Vordergrund stand dabei die Usability, also die Bedienfreundlichkeit der Lernumgebung, um negative motivationale Effekte auszuschließen.

Ergebnisse der Evaluation

Es lässt sich festhalten, dass sich das Blended-Learning-Format als vielversprechendes Lehr- Lernszenario für pädagogische Fachkräfte erwies.
Der Kursaufbau wurde mehrheitlich als logisch und nachvollziehbar empfunden, die Inhalte als gut aufbereitet, passend und relevant und die enge persönliche Betreuung und Begleitung durch die Lehrenden als hilfreich und motivierend. Ein Grundtenor war, dass sich der Kurs hervorragend als Einstieg für das Thema eignet und „…eigentlich von jeder Einrichtung besucht [gehört].“ (Zitat aus den Fragebögen für die Kursteilnehmenden).
Die Evaluation belegte einen Kompetenz- und Wissenszuwachs bei den Teilnehmenden hinsichtlich der Methode der aktiven Medienarbeit, des Umgangs mit Medien(technik) und der Umsetzung von Medienbildung in der eigenen Einrichtung.

Für eine erste Erprobung eines zielgruppengerechten und technisch zuverlässigen Lernraumes, sprich die Gestaltung der Online-Aufgaben, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten und die Evaluation des Kurses, ließ die prototypische Lernplattform keine Wünsche offen und ermöglichte somit die Entwicklung einer zeitgemäßen und flexiblen Lernumgebung.
Für ein weiter skalierbares, kurs- und kursraumübergreifendes Lernmanagement für vielfältige Kursformen und unterschiedliche Kursanbietende gilt es allerdings weitere Software-Architekturen, Kommunikationslösungen und Lernplattformen zu prüfen.

Wir gratulieren allen Teilnehmenden zum Abschluss und wünschen viel Freude bei der Umsetzung des Erlernten in ihrer täglichen Arbeit!